Die Nachrichten werden beherrscht von Krieg, Not und Katastrophen. Wie gehen die Schüler damit um? Was macht das mit uns? Und: War früher wirklich alles besser?
Im Rahmen der Projekttage der 7. Klassen begab sich die 7d auf „Spurensuche“, um letztere Frage etwas näher zu beleuchten. Wir besuchten den großen Atombunker unter dem Nürnberger Hauptbahnhof. Der Verein „Nürnberger Unterwelten“ bietet nämlich nicht nur Führungen durch die bekannten Lochgefängnisse und die Wehrgänge, sondern auch in den zugänglichen Bunkern unterhalb der Stadt, die zu Zeiten des Kalten Krieges eingerichtet wurden. Der Eingang zum größten der Nürnberger Bunker, dem Atombunker im Hauptbahnhof, befindet sich völlig unauffällig in der unteren Passage. Eine schlichte Doppeltür mit Milchglasscheiben öffnet den Weg in eine unterirdische Geheimstadt, die Platz für knapp 2.500 Menschen bot, dazu Wasser, gereinigte Luft, Strom, Nahrungsmittel und natürlich Schlafplätze – aber nicht für alle: Auch der Schlaf wäre rationiert gewesen. Im Drei-Schicht-System konnte jeder nur acht Stunden schlafen, dann wäre der nächste dran gewesen.
Unser Bunkerführer erklärte die Funktionsweise des großen Dieselgenerators, der die unterirdische Anlage mit Strom und Frischluft versorgen sollte. Beim jährlichen Check des Motors stieß dieser immer eine dichte Rußwolke aus, die durch die Litfaßsäule auf dem Bahnhofsvorplatz ins Freie geleitet wurde. Da Passanten jedes Mal deswegen die Feuerwehr riefen („Die Litfaßsäule brennt!“), hängt im Bunker ein Schild: „Vor Inbetriebnahme 112 anrufen!“ Diese und viele weitere Anekdoten erfuhren wir bei der Besichtigung.
Nach einer guten Stunde durften wir den Bunker wieder verlassen und fragten uns, wie man das mit hundertmal mehr Leuten und genau zwei Wochen lang aushalten würde. Denn nach zwei Wochen ist der Dieselvorrat aus, die Türen gehen automatisch auf und die Insassen des Bunkers müssen an die Oberfläche – egal wie diese dann aussieht. Gute alte Zeit?
M. Klinger