Wenn Bücher aus Bibliotheken verschwinden

Wenn Bücher aus Bibliotheken verschwinden

Was geschieht, wenn Bücher plötzlich nicht mehr ausgeliehen werden dürfen? Wer entscheidet, welche Geschichten junge Menschen lesen können – und welche ihnen vorenthalten werden?
Mit diesen Fragen im Gepäck besuchte das Team unserer Schülerbücherei am 7. Juli 2026 die Plakatausstellung „Banned Books“ in der Stadtbibliothek Erlangen. Besonders überrascht waren die Schülerinnen und Schüler, dass sich unter den beanstandeten und aus Bibliotheken entfernten Titeln auch so bekannte Werke wie „Der Herr der Ringe“ , „Das Tagebuch der Anne Frank“ und der vielfach ausgezeichnete Jugendroman „The Hate U Give“ befinden. Die Ausstellung beleuchtet den aktuellen Kulturkampf um Kinder- und Jugendbücher in den USA. Seit 2021 wurden dort weit über 20.000 Fälle registriert, in denen Werke aus öffentlichen Schulbibliotheken entfernt oder in ihrem Zugang eingeschränkt wurden. Allein für das Jahr 2025 meldete die American Library Association 5.668 betroffene Bücher. Besonders häufig geraten Texte in den Fokus, die Rassismus, Identität, gesellschaftliche Vielfalt oder soziale Ungleichheit thematisieren. Für die Schülerinnen und Schüler war es erschreckend zu erkennen, wie breit das Spektrum der zensierten Literatur reicht – vom Jugendroman bis zum Klassiker. In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, welche Folgen solche Eingriffe haben können: Werden bestimmte Perspektiven ausgeblendet, wird nicht nur die Auswahl eingeschränkt. Auch die Möglichkeit, sich eine eigene, begründete Meinung zu bilden, wird erschwert. Diese Erkenntnis führte unmittelbar zur Frage, welche Verantwortung eine Schulbücherei bei der Auswahl ihrer Bücher trägt. Da die Mitglieder des Schülerbüchereiteams aktiv an Neuanschadungen beteiligt sind, entscheiden sie mit darüber, welche Themen, Erfahrungen und Lebenswelten in unserer Bücherei sichtbar werden.
Die Exkursion hat gezeigt, dass Lesefreiheit nicht selbstverständlich ist. Wenn Bücher aus Regalen verschwinden, fehlen auch Stimmen, Erfahrungen und Denkanstöße. Das Schülerbüchereiteam möchte künftig noch stärker auf Vielfalt setzen und mit unterschiedlichen Medien Denkanstöße liefern – durch Bücher, E-Books, Hörbücher wie z. B. Shelfies und Zeitschriften. Denn Lesen bedeutet nicht, jede Aussage gutzuheißen. Es bedeutet, sich selbst ein Urteil bilden zu können – und genau diese Freiheit soll unsere Schülerbücherei erhalten und fördern.
Lisa Grotemeyer und Michaela Geinzer